Erklärung zur Demo am 28. Januar

Von Teilen der Vorbereitung:

Unsere Demonstration ist einen großen Teil der Strecke gelaufen ohne sich von den Bullen etwas vorschreiben zu lassen.
Dabei ist es uns gelungen auch Menschen aus dem Kiez, die ansonsten mit solchen Demos nicht viel zu tun haben, mitzunehmen und ihnen eine Gelegenheit zu verschaffen ihrer Wut über die bestehenden Verhältnisse im allgemeinen und Polizeigewalt im besonderen, Ausdruck zu verleihen.

Wir haben verhindert in einem Spalier dem direkten Druck der Bullen ausgesetzt zu sein und wir haben durch unsere Ankündigungen im Vorfeld die Bullen von den Sinnlosigkeit von Vorkontrollen überzeugt.

Es gab zwar vereinzelt Vorkontrollen, es war aber ein leichtes ohne diese zum Auftaktort zu gelangen.
Leider waren unsere Botschaften, wie im Fall von rigiden Vorkontrollen eine ungestörte Versammlung durchgeführt werden kann etwas missverständlich bzw. ungenau.

Im Fall von Vorkontrollen oder einem (Teil)Verbot der Route sollte der ganze Kiez als Sammelraum genutzt werden um sich dann einer pünktlich startenden Demo anzuschließen.
Da wir die wenigen Vorkontrollen nicht als wirklich hindernd einschätzten und zu wenig Kontakt mit in der Umgebung abwartenden Kleingruppen hielten, drückten wir beim Start nicht so sehr aufs Tempo. Auch in der Erwartung, dass doch mehr Leute den Weg zum Herrfurthplatz wählen würden. Zudem wurde der Lauti durch die Bullen aufgehalten, was wir aber mit einem besseren Zeitplan hätten verhindern können.

Die Bullen hielten sich zunächst tatsächlich zurück. In der Karl-Marx-Straße und in der Weserstraße schoben sich jedoch starke Bullenkräfte filmend in das Aufgebot vor den ersten Reihen ein. Diese Einheiten ließen die Tendenz erkennen etwas hängend hinter den Spitzenfahrzeugen zu laufen. Wären sie stehen geblieben, wären wir sehr schnell in einem Spalier gestanden. Es gab die Vermutung, das diese BFE aufgezogen wurden um Festnahmen wegen Vermummung, Böllerwürfen oder ähnlichem zu tätigen.
Aus diesem Grund entschieden sich Menschen die Demoroute am Reuterplatz zu verlassen und Richtung Kreuzberg zu laufen. Die Bullen reagierten aggressiv und stießen dabei auf Widerstand. Der Sinn der Richtungsänderung bestand nicht darin eine komplett neue Demostrecke zu laufen sondern den TeilnehmerInnen Raum zu geben auf den Aufmarsch der Bullen zu reagieren.

Es war angekündigt worden, dass bei dieser Demo nicht auf Kommandos oder Anweisungen von wem auch immer gewartet werden soll. Viele haben auch kreativ auf die neue Situation reagiert, andere waren zu sehr auf das übliche langsame Tempo einer typischen Latschdemo eingestellt.

Unsere Demonstration war unbewaffnet – bis auf eine Person, die mit Pfefferspray, Teleskopschläger und Schusswaffe im Aufzug mitlief. Der sogenannte Verbindungsbeamte ignorierte damit auch Ankündigungen im Vorfeld, dass niemand seinen Frust an Autos oder Läden von AnwohnerInnen auslassen solle. Damit war eigentlich klar gestellt, dass keine Polizei zum Schutz vor der Demonstration nötig ist.
Als die Demo aufgelöst war, wurde der Pistolenmann umgetreten aber nicht schwer verletzt. Ob das von AnwohnerInnen oder DemoteilnehmerInnen ausging spielt keine Rolle, wir finden es auch viel wichtiger von den Menschen zu reden, die nach der Demo und abends in Friedrichshain von Polizeistiefeln umgetreten wurden.

Diese Demonstration sollte keine Kopie der Carlo-Demo im Sommer werden. Durch Anmeldung und Start im Schillerkiez sollte die Hemmschwelle für Menschen außerhalb der linksradikalen Szene zur Teilnahme gering gehalten werden.
Es wurde eine Struktur gestellt, die es möglichst vielen ermöglichen wollte ihre jeweilige Protestform zu verwirklichen. Von uns wurde dabei nichts ausgeschlossen aber auch nicht die Voraussetzungen zur großen Schlacht geschaffen. Diese Demonstration spiegelt den Stand unserer Szene wieder, was eigenverantwortliches Handeln zu einem Thema betrifft, welches lange vernachlässigt wurde.
Wir distanzieren uns von nichts was im Rahmen unserer Demo passiert ist.

Ernstzunehmende Kritiken sind erwünscht.