Rheinmetall bei der Urban Operations

Quelle: Indymedia
Bei der „International Urban Operations Conference“ in Berlin ist auch die Firma Rheinmetall vertreten. Am 01.Februar wird Dr. Thomas Weise zum Thema „Land Operations in Urban Terrain – An Industrial Perspective“ für den Konzern einen Vortrag halten. Bei einer abschließenden Diskussion am 02.Februar wird Dr. Weise erneut sein bestes geben.
Das Ziel von Rheinmetall bei der Konferenz ist es möglichst viele Waffen zu verkaufen und die dafür nötigen Militäreinsätze der NATO auf den Weg zu bringen bzw. Bedenken gegen Kriege auszuräumen.

Geschichtliche Entwicklung
Am 13. April 1889 gründete Heinrich Ehrhardt mit Hilfe eines Konsortiums von Banken aus Berlin, Frankfurt am Main und Düsseldorf die „Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“ in Düsseldorf. Das Unternehmen wurde zur Erfüllung eines größeren Munitionsauftrages des Kriegsministeriums gegründet.
Rheinmetall stellte 1896 das erste felddiensttaugliche Rohrrücklaufgeschütz vor. Dieses wurde aber von der preußischen Artillerieprüfungskommission abgelehnt. Nach der erfolgreichen Einführung von Rohrrücklaufgeschützen durch die Franzosen änderte sich diese Einstellung und die Entwicklung wurde für das Unternehmen zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg.
Auf Initiative von Heinrich Ehrhardt übernahm Rheinmetall 1901 die in Konkurs gegangene Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda. Das als Dreyse’sche Gewehrfabrik gegründete Unternehmen stellte Handfeuerwaffen, Patronen und Geschosszünder her und erweiterte somit die Produktpalette der Rheinmetall.
In den Folgejahren wuchs Rheinmetall auch auf Grund eingehender Produktionsaufträge aus dem Ausland. 1906 wurde daher das Werk in Düsseldorf erweitert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigte fast 8.000 Mitarbeiter. Bis zum Ende des Krieges vergrößerte sich die Belegschaft auf knapp 48.000 Arbeiter und Angestellte, darunter etwa 9.000 Frauen.
Im April 1933 erwarb Rheinmetall den vor der Liquidation stehenden Lokomotivhersteller Borsig und kam damit in den Besitz eines großen Werkes in Berlin-Tegel. Die Fusion 1936 führte zur Umbenennung in Rheinmetall-Borsig AG. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen der nationalsozialistischen Diktatur entwickelte und produzierte Rheinmetall-Borsig ab Mitte der 1930er Jahre im Auftrag des Reichskriegsministeriums Waffen und Munition. Die Fertigungspalette reichte von Maschinengewehren und -kanonen über Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehrkanonen und Eisenbahngeschützen. Für Entwicklung und Bau von gepanzerten Kettenfahrzeugen wurde 1937 in Berlin das Tochterunternehmen Alkett (Altmärkische Kettenwerke) gegründet.

Link: Rheinmetall an der Heimatfront

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Rüstungsproduktion maximal gesteigert und die Entwicklung neuer Waffensysteme gefordert. Der staatliche Einfluss durch Institutionen der Wehrmacht und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring nahm soweit zu, bis das Unternehmen vollständig verstaatlicht und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert wurde.
Link:
Rheinmetall an der Ostfront

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten zahlreiche Zwangsarbeiter in den Rheinmetall-Betrieben. Im Werk Unterlüß allein wurden am Kriegsende etwa 5.000 ausländische Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen sowie Kriegsgefangene (ca. 2.500 Polen, 1.000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1.000 aus anderen Ländern) von den britischen Truppen befreit. Zeitweilig waren dort auch ungarische Jüdinnen in einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt. Von den etwa 600.000 Arbeitern der Reichswerke Hermann Göring waren die Hälfte Zwangsarbeiter, verschleppt aus allen besetzten Gebieten.

Link: Ein Video fasst zusammen

Die Fertigung schwerer Waffen, wie Geschützrohre und Lafetten, wurde 1964 wieder aufgenommen. Dabei begann man mit der Ausstattung von Panzern und Artilleriegeschützen. Rheinmetall entwickelte eine Jagdpanzer-Kanone, einen Standard-Panzerturm und eine Panzer-Haubitze. Ein Jahr später wurde mit der Entwicklung der 120-Millimeter-Glattrohrtechnologie begonnen.
Zur Ausweitung des Munitionssortiments auf pyrotechnische Produkte erwarb man 1970 eine Mehrheitsbeteiligung an der NICO Pyrotechnik Hanns Jürgen Diederichs KG. Auf dem Versuchsgelände in Unterlüß wurde 1972 eine Temperier-Versuchsanlage (TVA) zur klimatechnischen Erprobung von Waffen und Geräten, aber auch zivilen Produkten errichtet. 1978 begann die Serienfertigung der Feldhaubitze FH 70 (155 mm). Der erste Kampfpanzer Leopard 2 wurde am 24. Oktober 1979 an die Bundeswehr ausgeliefert. Er war mit der von Rheinmetall entwickelten, innovativen 120-Millimeter-Glattrohrkanone ausgerüstet.
In den Folgejahren wurde der zivile Geschäftsbereich des Unternehmens neu geordnet und 1981 durch den Kauf einer Aktienmehrheit an der Jagenberg AG sowie dem Erwerb der Gasti-Verpackungsmaschinen GmbH verstärkt. Am 12. August 1981 wurde die Hauptverwaltung des Rheinmetall-Konzerns in Düsseldorf durch Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) durchsucht. Dabei wurden mehrere Unterlagen sichergestellt, die einen Verdacht auf illegale Waffengeschäfte insbesondere mit Argentinien belegen sollten.
1986 wurde der Unternehmensbereich Automobiltechnik durch den Kauf des Vergaserherstellers Pierburg GmbH aufgebaut. Gemeinsam mit der Diehl Munitionssysteme GmbH & Co. KG gründete Rheinmetall die Gesellschaft für Intelligente Wirksysteme mbH (GIWS). Die GIWS spezialisierte sich auf intelligente Munition, Geschosse und sonstige wehrtechnische Wirksysteme. Auf Grund der veränderten weltpolitischen Lage passte Rheinmetall 1989 seine Firmenstrategie mit einer Diversifizierung in zivile Industrieprodukte an.
Durch den Erwerb einer 60-Prozent-Beteiligung an der zur Friedrich Krupp AG gehörenden MaK System Gesellschaft 1990 erweiterte Rheinmetall seine Kompetenz im Bereich neuer Systeme für die Landstreitkräfte und Spezialfahrzeuge, etwa für den Einsatz im Umweltschutz. Die restlichen 40 Prozent kaufte das Unternehmen 1992 und wurde damit alleiniger Gesellschafter. Im selben Jahr lieferte Rheinmetall den ersten gepanzerten Waffenträger Wiesel an die Bundeswehr. Auch der Standort Düsseldorf-Derendorf wurde 1992 aufgegeben und die Produktionsstätten im Kompetenzzentrum Unterlüß gebündelt. Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung zogen in einen Neubau nach Ratingen. Mit einer Beteiligung an der WNC-Nitrochemie GmbH in Aschau am Inn verstärkte das Unternehmen sein Engagement auf dem Gebiet der Munitionsfertigung. 1993 erweiterte Rheinmetall seine zivile Produktpalette durch den Erwerb der Mauser Waldeck AG zum Aufbau des Unternehmensbereiches Bürosysteme, die Übernahme der Heimann Systems GmbH zur Stärkung des Bereiches Sicherheitstechnik und den Erwerb der Mehrheit an den Preh-Werken zum Ausbau des Unternehmensbereiches Automobiltechnik. Aus der Rheinmetall GmbH wurde 1994 die Rheinmetall Industrie GmbH. 1995 erweiterte der Konzern seine Kompetenzen bei mittelkalibrigen Maschinenkanonensystemen durch eine 60-Prozent-Beteiligung an der Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme GmbH und ein verstärktes Engagement von Pierburg in den USA. Die Rheinmetall Industrie GmbH wurde 1996 in eine AG umgewandelt. Im selben Jahr erwarb die AG zur Stärkung der Kompetenzen in der Wehrtechnischen Elektronik eine Beteiligung an der STN Atlas Elektronik GmbH aus der Konkursmasse der Bremer Vulkan.

Aktuelle Geschäftspolitik
1997 erlebte die Firma eine grundlegende Reorganisation. Nach dem Kauf des Kommunikationstechnikunternehmens Richard Hirschmann GmbH & Co. wurde dieses mit Rheinmetall Elektronik, Preh und Heimann Systems unter der Führungsgesellschaft Aditron zum Unternehmensbereich Industrielle Elektronik zusammengefasst. Der Geschäftsbereich Waffe und Munition wurde auf die neu gegründete Rheinmetall W&M GmbH übertragen. Der Bereich Automotive fiel in die Zuständigkeit der neuen Kolbenschmidt Pierburg AG, die nach der Fusion der neu erworbenen Kolbenschmidt AG mit der Pierburg GmbH entstanden war.

Link: Rheinmetall im Einsatz bei der griechischen Armee

Die MaK Systemgesellschaft GmbH übergab dem Heer 1997 das erste Serienexemplar des Minenräumpanzers Keiler. Nach dem Mehrheitserwerb an der STN Atlas Elektronik GmbH 1998 wurde die zivile Schiffselektronik ausgegliedert und in die neu gegründete STN Atlas Marine Electronics GmbH mit Sitz in Hamburg überführt. Im selben Jahr wurden das erste Gerät des unter der Mitwirkung von Rheinmetall und MaK Systemgesellschaft neu entwickelten Waffensystems der Rohrartillerie, die Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr übergeben, und der Rhino-Minenräumer von MaK Systemgesellschaft im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt. Die Rheinmetall Industrie AG übernahm die Wehrtechnik der BUCK System GmbH und formierte die BUCK Neue Technologien GmbH.
Rheinmetall fasste 1999 seine wehrtechnische Kompetenz organisatorisch und gesellschaftsrechtlich unter dem Dach der neu gegründeten Rheinmetall DeTec AG (Defence Technologies) zusammen. Dadurch sollte die erforderliche Neuordnung der europäischen Rüstungsindustrie durch Konsolidierungen und Kooperationen strategisch vorbereitet werden. Im selben Jahr wurde die neue Gesellschaft durch Mehrheitsbeteiligungen an der Oerlikon Contraves AG, einem Anbieter von kombinierten Kanonen- und Lenkwaffensystemen für die Flugabwehr, und der Eurometaal Holding N.V., einem Artilleriehersteller von Mittelkalibern, gestärkt. Ende des Jahres übernahm Rheinmetall DeTec AG die Unternehmen KUKA Wehrtechnik GmbH und Henschel Wehrtechnik GmbH. Diese beiden Unternehmen wurden im Jahr 2000 mit der MaK Systemgesellschaft zur neuen Gesellschaft Rheinmetall Landsysteme GmbH zusammengefasst.
Der Vorstand der Rheinmetall beschloss 2000 die „Strategie der klaren Linie“ mit einer Konzentration auf die Kernkompetenzen Wehrtechnik, Automobiltechnik und Elektronik. Es folgte der Verkauf der Mauser Waldeck AG und der Jagenberg Papier- und Verpackungstechnik im Jahr 2000. Im Jahr 2002 wurden die Heimann Systems GmbH und die zur Eurometaal Holding N.V. gehörende Tochtergesellschaft Intergas B.V. verkauft und die Eurometaal N.V. geschlossen. 2003 wurde die verbliebene Jagenberg AG verkauft und Preh an die Deutsche Beteiligungs AG veräußert. Die Konzentration auf die wehrtechnischen Kompetenzen wurde 2004 mit dem Verkauf der Hirschmann GmbH Electronics und der Nico Feuerwerk GmbH sowie der Teilung der STN Atlas Elektronik abgeschlossen.
Rheinmetall Landsysteme lieferte 2003 die ersten neuen minenschutzverstärkten Schützenpanzer Marder 1A5 aus. Zur Entwicklung des neuen Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr gründeten Rheinmetall Landsysteme und Krauss-Maffei Wegmann das Gemeinschaftsunternehmen PSM GmbH, an dem beide Unternehmen zu 50 Prozent beteiligt sind.
Die Röchling Industrieverwaltung GmbH veräußerte 2004 ihre Mehrheitsbeteiligung an der Rheinmetall AG. Die Aktienanteile wurden von rund 75 institutionellen Investoren übernommen. Im Geschäftsbereich Wehrtechnik wurden die Rheinmetall W&M GmbH mit der Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme GmbH, der Buck Neue Technologien GmbH sowie der Pyrotechnik Silberhütte GmbH auf die neue Rheinmetall Waffe Munition GmbH verschmolzen. Zusammen mit der RAFAEL Ltd. und der Diehl Munitionssysteme GmbH gründet Rheinmetall Defence Electronics das Gemeinschaftsunternehmen EuroSpike GmbH, das als Generalunternehmer für die Spike-Flugkörperfamilie tätig ist.
Rheinmetall Landsysteme wurde 2005 Mitgesellschafter der neu gegründeten Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL). Das Unternehmen ist für einen Zeitraum von acht Jahren für die Instandsetzung von ausgewählten Fahrzeugen und Waffensystemen des deutschen Heeres verantwortlich. Um der veränderten Bedrohungslage Rechnung zu tragen und Systemlösungen für die Abwehr von Gefahren für die innere Sicherheit sowie für den Bevölkerungsschutz anzubieten, wurde das Geschäftsfeld „Public Security“ eröffnet.
Die Rheinmetall AG erwarb im März 2008 vom niederländischen Mischkonzern Stork NV den Panzerhersteller Stork PWV. Auf diese Weise übernahm der Düsseldorfer Wehrtechnikkonzern den niederländischen Anteil der Herstellung von Boxer-Panzern, die für die Bundeswehr und das niederländische Heer entwickelt wird. Damit erhöht sich die Beteiligung am Boxer auf 64 Prozent.
Im Juli 2009 hat die Rheinmetall Aktiengesellschaft ihr Grundkapital erhöht. 3.599.000 neue Aktien wurden bei institutionellen Anlegern im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens zu einem Preis von 29,00 Euro pro neuer Aktie platziert und sind ab dem 1. Januar 2009 gewinnanteilberechtigt. Aus der Kapitalerhöhung fließt der Gesellschaft ein Bruttoemissionserlös in Höhe von ca. 104,4 Millionen Euro zu.
Seit März 2009 prüft Rheinmetall eine Zusammenarbeit mit dem LKW-Hersteller MAN. Im Oktober 2009 wurde bekannt, dass Rheinmetall mit 51 % und MAN mit 49 % an dem Joint Venture beteiligt sein werden, das unter dem Namen Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) firmieren soll.

Link: Selbstdarstellung des Konzerns

Der Vertreter von Rheinmetall auf der Konferenz, Dr. Thomas Weise, Vizepräsident für Forschung und Technologiestrategien, ist spezialisiert Produkte zu verkaufen, die nicht so sehr gefragt sind. 2008 schlug er den Einsatz von unbemannten Schiffen gegen die Piraten vor Somalia vor http://www.heise.de/tp/artikel/29/29100/1.html

Ob diese Schiffe auch von der Leitstelle gesprengt werden wenn sie von Piraten gekapert werden ist nicht bekannt. Dr. Weise sitzt auch im Kuratorium des Frauenhofer-Instituts, welches Kontakte zwischen Wissenschaft, Ministerien und Industrie fördert http://www.fkie.fraunhofer.de/de/ueber-uns/kuratorium.html

Es ist also davon auszugehen, das die Worte des Rheinmetall Vertreters zahlreiche Menschenleben in den Urban Areas der weltweiten Krisengebiete fordern werden.
Das Rheinmetall damit kein Problem hat beweist ein Blick in die Firmengeschichte.